Die Heilung des Blindgeborenen

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Joh 9,1-7

 

Wer hat gesündigt, wer ist schuld? Dies ist die erste Frage der Jünger, als sie den Blindgeborenen sehen. Jesus sieht in der Blindheit des Mannes nicht die Schuldfrage, sondern die Aufgabe, ihn zu helfen. Die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. Und Jesus setzt diesen Satz gleich in die Praxis um, er handelt. Er hilft ihm. Auch heute in der Zeit der „Corona“-Pandemie verstricken sich viele in der Schuldfrage. Dies ist auf allen Ebenen zu sehen: Donald Trump, der amerikanische Präsident, sucht die Schuld bei den Chinesen. Oder: Menschen mit asiatischen Aussehen werden zum Teil auf der Straße angegriffen. Nur einige Beispiele von vielen.

Ist eine Infektion erstmal aufgetreten, wird versucht, die Infektionskette nachzuvollziehen. Dies soll helfen, die Kette zu unterbrechen und damit weitere Ansteckungen zu verhindern. Doch birgt dies auch die Gefahr der Schuldzuweisung. Wer hat den Virus verbreitet? Eine (Schuld-)Frage, die vielleicht im Unterbewussten präsent ist, selbst bei dem Infizierten. Doch die Schuldfrage ist hier genau wie im Evangelium fehl am Platze. Sie führt ins Leere, verbreitet nur schlechte Stimmung und lenkt von der Aufgabe des Helfens ab. Wenn wir uns auf eine Schulddiskussion einlassen, werden wir blind für das Wichtige.
Jesus hat uns beispielhaft einen einfachen Weg gezeigt, einen Weg, der herausführt aus der Not: Er hilft ganz konkret.