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Herr, bleibe bei uns!“ - Gebetsgemeinschaft 

In der kommenden Zeit - bis wir wieder öffentlich Gottesdienst feiern dürfen, läuten jeden Abend in den Kirchen unserer Pfarreiengemeinschaft die Glocken zum Engel des Herrn. Mir ist wichtig, dass wir ein spürbares Zeichen unserer kirchlichen Gebetsgemeinschaft setzen. 

Darum bitte ich Sie, dass jeder von uns am Abend wo er gerade ist, spricht: „Herr, bleibe bei uns!“
und ein Gebet sprechen kann.

Ich gebe dann in der Kirche für Sie alle den Segen. Vielleicht singen Sie auch gemeinsam etwas: „Segne du Maria“ oder „Von guten Mächten wunderbar geborgen", ...

Gott segne Sie, Ihr Pfarrer Hans Beetz 

Bleibe bei uns Herr;
denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.
Bleibe bei uns und bei deiner ganzen Kirche.
Bleibe bei uns am Abend des Tages, am Abend des Lebens, am Abend der Welt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte, mit deinem heiligen Wort und Sakrament,
mit deinem Trost und Segen.
Bleibe bei uns, wenn über uns die Nacht der Trübsal und Angst, die Nacht des Zweifels
und der Anfechtung, die Nacht des bittern Todes.
Bleibe bei uns und bei allen deinen Gläubigen in Zeit und Ewigkeit.

 

Die folgenden Gebetsimpulse sind nur eine weitere Anregung für die Gestaltung der Gebetszeit. Jeder ist in seinem Gebet frei.

 

Im Osterevangelium hören wir, wie der Auferstandene Maria anspricht, er nennt ihren Namen: „Maria!“ In diesem Augenblick erkennt sie Jesus und sagt zu ihm: „Rabbuni“, das heißt: Meister.
Was für eine dichte Atmosphäre ist in dieser kurzen Szene spürbar!

Rollenwechsel. Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, der Auferstandene würde Sie bei Ihrem Namen rufen? „Hildegard, Thomas, Rita…“
Unglaublich. Er nennt meinen Namen, sein Blick trifft mich mitten ins Herz und ich spüre, wie sich in diesem Augenblick alles verändert. Er sieht mich, so wie ich bin, er kennt mich bis ins Innerste, er weiß um das, was mich bewegt. Er umfängt mich mit seiner Liebe.
Wieviel Liebe, wieviel Zärtlichkeit, wieviel Nähe liegt in dieser kurzen Begegnung.
Bin ich in diesen Tagen Zuschauer des Ostergeschehens oder mittendrin?
Nehme ich es wahr, dass er meinen Namen nennt und die persönliche Begegnung mit mir sucht? Lasse ich mich vom Auferstandenen berühren?

Dieser Impuls wurde von Eva-Maria Seifert erstellt.

Zwei Jünger sind unterwegs nach Emmaus - raus aus dem unheilvollen Trubel in Jerusalem. Sie sind enttäuscht, traurig. Jesus, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, wurde zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Sie selbst haben zum Schluss nicht mehr zu ihm gehalten. Auch darüber sicher Schuldgefühle, Selbstvorwürfe.  Sie tauschen sich aus, reden über all das: Trauer, Angst, Versagen. Und da, so heißt es, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Jesus erklärt ihnen den Sinn der Schrift, auch die Unausweichlichkeit des Leidens. Rückblickend sagten sie später: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und den Sinn der Schriften eröffnete?!

Die Jünger zeigen uns einen Weg. Raus aus dem Trubel, Abstand gewinnen, miteinander ins Gespräch kommen. Offen über Gefühle reden, auch über die schwierigen, belastenden. Allein das befreit. Und wenn, wie damals, Jesus dazu kommt - unbemerkt, unerkannt, dann können wir mit neuer Kraft, neuem Mut weiter und gestärkt auch wieder zurück ins Geschehen.

 

 

 

Lukas 24

Die Erscheinung Jesu auf dem Weg nach Emmaus

13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. [1] 14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. 16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. 17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen 18 und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. 20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. 21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. 22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. 24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. 25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. 26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? 27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. 31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. 32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? 33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. 34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. 35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

 

eine Einladung

 

Das neue Morgenrot erglüht...

...und vertreibt die Dunkelheit des Todes, der einmal doch nicht das letzte Wort behält.

 

Das neue Morgenrot erglüht...

...und straft jene Lügen, die sagen „es ist, wie es ist, damit muss man sich abfinden!“

 

Das neue Morgenrot erglüht...

...und weckt neue Kraft in den Herzen jener, deren Kreuz zu schwer zu werden drohte.

 

Das neue Morgenrot erglüht...

...und erfüllt die Zukunft, die gestern noch dunkel schien, mit neuer Verheißung.

 

Das neue Morgenrot erglüht...

...und auf einmal ist alles anders.

 

 

Denn Er lebt.

Dieses Gebet ist in zwei Formen möglich: In der Kirche vor der brennenden Osterkerze oder auch zu Hause. Zum „Lob des Osterlichtes“ sind Sie einge­laden, eine Kerze zu entzünden, die sie fortan als persönliche Osterkerze be­gleitet.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott, am heutigen Tag hast du durch deinen Sohn den Tod besiegt und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen. Darum begehen wir in Freude das Fest seiner Auferstehung. Schaffe uns neu durch deinen Geist, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

[Tagesgebet des Ostersonntag]

Psalm

Ich will dir danken aus ganzem Herzen, dir vor den Engeln singen und spielen;

ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin und deinem Namen danken für deine Huld und Treue.

Denn du hast die Worte meines Mundes gehört, deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.

Du hast mir erhört an dem Tag, als ich rief; du gabst meiner Seele große Kraft.

Dich sollen preisen Herr, alle Könige der Welt, wenn sie die Worte deines Mundes vernehmen.

Sie sollen singen von den Wegen des Herrn; denn groß ist die Herrlichkeit des Herrn.

[Verse aus Ps 138]

Osterevangelium

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in alle Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.

Und es geschah: Während sie noch darüber ratlos waren, siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Men­schen­sohn muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.“

Da erinnerten sie sich seiner Worte. Und sie kehrten vom Grab zurück und berichteten das alles den Elf und allen Übrigen.

[Lk 24,1–9]

Osterlied

Vom Tode heut erstanden ist

der heilge Herre Jesus Christ,

der aller Welt ein Tröster ist.

Halleluja.

Die ganze Erde staunt und bebt,

weil Gottes Herrlichkeit anhebt;

der Tod ist tot, das Leben lebt.

Halleluja.

Des Herren Sieg bricht in uns ein,

da sprengt er Riegel, Schloss und Stein;

in uns will Christus Sieger sein.

Halleluja.

Nun jauchzt und jubelt überall.

Die Welt steht auf von ihrem Fall

Gott herrscht in uns, er herrscht im All.

Halleluja.

[Text: Engelberg / Silja Walter | GL 324]

Das Licht der Osterkerze

Vom Unsagbaren künden, das Unbegreif­liche vor Augen stellen, inmitten der ver­gänglichen Welt vom neuen Leben zeugen – dafür brennt die Osterkerze. Sie trägt das Licht von Ostern weiter und begleitet uns Christen während des nächsten Jahres, brennt am Beginn des irdischen Glaubens­weges in der Taufe ebenso wie bei der Feier der Eucharistie für unsere Verstor­benen. Die ganze Spanne des Le­bens wollen wir im Licht von Ostern gehen.

An dieser Stelle sind Sie eingeladen, Ihre persönliche „Osterkerze“ zu entzünden. (Beim Gebet in der Kirche: Gerne an der dort bren­nenden großen Osterkerze.)

Lob des Osterlichtes

O Licht der wunderbaren Nacht,

uns herrlich aufgegangen,

Licht, das Erlösung uns gebracht,

da wir vom Tod umfangen,

du Funke aus des Grabes Stein,

du Morgenstern, du Gnadenschein,

der Wahrheit Licht und Leben.

O Licht der lichten Ewigkeit,

das unsre Welt getroffen,

in dem der Menschen Schuld und Leid

darf Auferstehung hoffen.

O Nacht, da Christus unser Licht!

O Schuld, die Gottes Angesicht

uns leuchten lässt in Gnaden!

O Licht, viel heller als der Tag,

den Sonnen je entzündet,

das allem, was im Grabe lag,

den Sieg des Lebens kündet.

Du Glanz des Herrn der Herrlichkeit,

du Heil der Welt in Ewigkeit,

voll Freuden und voll Frieden!

[Text: Georg Thurmair | GL 334]

Gebet

Herr Jesus Christus, deine Auferstehung hat neue Hoffnung in diese Welt gebracht. Denn du bist durch den Tod hinüberge­gangen in ein Leben in Gottes Licht. Auch mich und alle, die auf dich hoffen, willst du diesen Lebens-Weg führen in deiner Spur. Dafür danke ich dir!Hilf mir, das Licht von Ostern im Herzen zu bewahren, damit es mir leuchte in schweren Zeiten und die Gewiss­heit wach halte, dass du selbst am Ziel meines Weges stehst. Sei mit deinem Licht auch bei all jenen, deren Leben dunkel ist, deren Hoffnung erstorben, deren Glaube erkaltet. Lass auch für sie dein Licht leuchten und Ostern werden!

Gebet des Herrn
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. – Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Segne mich, Herr, und behüte mich. Lass dein Angesicht über mir leuchten und sei mir gnädig. Wende mir dein Antlitz zu und schenke mir deinen Frieden.

So segne meinen Weg, damit ich ihn gehen kann in deinem Licht. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Zusammengestellt von Pfarrvikar Simon Schrott

PG St. Georg, Karlstadt

Tod - Schweigen - Stille

Zerbrochene Hoffnung - innere Leere - Fragen

Ein Sonnenstrahl  auf das Bild des Seitenaltars am Kreuzberg zeigt das Geheimnis des Kreuzes. Vom Kreuzestod Jesu geht ein Licht aus, eine Hoffnung für alle Leidenden, Mitleidenden dieser Welt. Der Tod, so schrecklich er auch ist, ist nicht das Ende, sondern Durchgang zu neuem Leben. Jesus ist diesen Weg für uns gegangen, er geht ihn auch jetzt mit uns.

 

 

Jesaja, ein Prophet des alten Testaments sieht dies schon voraus:

Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben,
er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein.
Wie sich viele über dich entsetzt haben 
so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch,
seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen ,
so wird er viele Nationen entsühnen,
Könige schließen vor ihm ihren Mund.
Denn was man ihnen noch nie erzählt hat,
das sehen sie nun;
was sie niemals hörten,
das erfahren sie jetzt.

Jes 52,13-15

Jesus ist das letzte Mal mit seinen Jüngern zusammen – er weiß, dass er sterben muss. Da hinterlässt er ihnen sein Vermächtnis. Bei Markus, Matthäus, Lukas ist es das Abendmahl und die Einsetzungsworte „Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut“.
Der Evangelist Johannes setzt einen ganz anderen Schwerpunkt: die Fusswaschung.

Johannes 13,1-15:
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.
Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.
Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Jesus hat uns ein Beispiel gegeben, damit auch wir so handeln, wie er gehandelt hat. Dem anderen die Füsse waschen, heißt sich klein machen vor ihm. Dazu gehört Größe, wahre Größe, innere Größe.
Die Füße berühren, den Schmutz der Straße, des Alltags abwaschen. Füße tragen uns durch den Tag, haben den ganzen Tag über vollen Einsatz und finden trotzdem oft wenig Beachtung, meist erst wenn sie schmerzen.

Es ist aber auch nicht leicht, sich die Füsse waschen zu lassen. Petrus macht dies deutlich. Dazu gehört eine andere Art von Demut. Den anderen ganz nahe, ja fast intim an sich heran lassen. Das kann nicht jede/r so einfach hinnehmen.

 

Psalm 69, der Antwortpsalm der heutigen Liturgie. Eine Hilferuf. Wir sehen in dem Leidenden Jesus, wir sehen aber auch jeden anderen Leidenden dieser Welt. Und da Gott in Jesus sich auf die Seiten der Leidenden gestellt hat, ja das Leid am eigenen Leid erfährt, gibt er allen anderen Trost und Zuversicht. Im Leid ist Gott zu finden, im Leidenden ist er gegenwärtig.

Hilferuf eines Leidenden und Armen
8 Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.
9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.
10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.
12 Ich legte als Gewand ein Bußkleid an, ich wurde ihnen zum Spottvers.
21 Ich bin krank vor Schmach und Schande. Ich hoffte auf Mitleid, doch vergebens, auf Tröster, doch fand ich keinen.
22 Sie gaben mir Gift als Speise, für den Durst gaben sie mir Essig zu trinken.
31 Ich will im Lied den Namen Gottes loben, ich will ihn mit Dank erheben.
33 Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!

Als Jesus mit seinen Jüngern bei Tisch war, wurde er im Innersten erschüttert und bekräftigte: „Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.“ Der Jünger, der ihn liebte, fragte ihn: „Herr, wer ist es?“ „Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde.“ Er gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
(aus dem Tagesevangelium am 7. April: Joh 13, 21 - 33.36 - 38)

 

Sind wir nicht alle ein bisschen Judas? Nein, es muss nicht immer der Verrat an einen Menschen sein, der dann gleich zum Tod führt. Doch die dunkle Seite des Lebens ist oft leichter, verführerischer. Und jeden Tag sehen wir uns immer und immer wieder der Entscheidung ausgesetzt, gehe ich den leichten Weg oder den richtigen?

Für Judas war es vielleicht der Komfort, ein Moment der Freude, das Lob der Oberen, das Geld, die Macht über eine andere Person. Solche kurzfristigen Befriedigungen kennen wir auch und manchmal verfallen wir ihnen, obwohl wir wissen, dass es falsch ist. Jesus reicht uns aber, selbst jetzt, kurz vor seinem Tod, die Hand und sagt: „Kehr um! Ich gebe Dir dazu die Chance. Ich bin hier und warte auf dich.“ Es liegt an uns nicht zum Judas zu werden - gegenüber uns selbst, gegenüber anderen, gegenüber Gott.

 

Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut."
(Martin Buber)

 

Dieser Impuls wurde von Eva-Maria Seifert eingesandt.

Wenn man in diesen Tagen am Sonntagabend um 18 Uhr die Ohren spitzt oder vielleicht ganz bewusst Tür oder Fenster öffnet, hört man (in Herschfeld) Blasmusiker, die von ihren Balkonen aus gemeinsam musizieren. Es war ein erhebendes Gefühl, als aus verschiedenen Ecken des Dorfes Klänge zu hören waren von 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

 Ich gebe zu, mir standen die Tränen in den Augen. In diesen besonderen Zeiten lässt Gott uns nicht allein. ER ist es, der um uns weiß, der uns seine Nähe und Liebe schenkt und uns in seinen guten Händen hält. Diese Erfahrung kann uns gerade in diesen Tagen den Rücken stärken und Kraft und Mut schenken für die Wege, die noch vor uns liegen. 
Gestern Abend hat einer der jüngeren Musiker auf seinem Balkon „Singt dem König Freudenpsalmen“ gespielt. Was für ein starkes Zeichen! Auch wenn wir nicht auf die Straße gehen und unseren Herrn begleiten können bei seinem Einzug in Jerusalem, sind wir an seiner Seite und gehen den Weg mit ihm. 
Bleiben wir an seiner Seite, nicht nur beim freudigen Hosanna am Palmsonntag, sondern auch dann, wenn es hart auf hart kommt. Feiern wir mit ihm Abendmahl, bleiben wir in seiner Nähe, wachend, betend.

 

Dieser Gebetsimpuls wurde gestaltet von Eva-Maria Seifert.

Die Woche der Entscheidung. Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Menschen jubeln. Die Erwartungen sind groß: Ein König kommt. Der verheißene Messias. Er wird das Volk Israel von den Römern befreien. Die Unterdrückung beenden.
Doch Jesu Weg ist ein anderer. Er geht durch Leid und Tod zur Auferstehung. Er will uns frei machen von unseren Irrtümern, frei machen von unseren Abgöttern, frei machen von unserer Schuld, unseren Sünden, frei machen von dem Joch des Todes.

Wie sind meine Erwartungen an Jesus? Suche ich nur das irdische Heil? Die Erfüllung meiner Wünsche? Wohlstand, Gesundheit, Erfolg?
Was sind meine Abgötter? Welchen Idealen laufe ich hinterher? Welche Ziele habe ich in meinem Leben?
Kann sein, dass Gott einen anderen Weg für mich vorgesehen hat. Bin ich bereit, ihn zu gehen? Wie groß ist mein Vertrauen?

Palmsonntag - Jubel, Erwartungen mischen sich mit Ängsten, Zweifel. Die Woche der Entscheidung. Sie endet in Ostern, der Auferstehung, neues Leben mit/bei Gott. 

 

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