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Wir feiern Pfingsten. Das ursprüngliche Ereignis liegt schon fast 2000 Jahre. Spielt der Heilige Geist auch heute noch eine Rolle? Dazu müsste zuerst geklärt werden, was oder wer mit dem Heilgen Geist gemeint ist. Die Bibel beschreibt ihn in Bildern. Eines dieser Bilder ist der Wind. Den Wind kann man nicht sehen, aber man kann sehen und spüren, wann er weht, zum Beispiel an den Blättern eines Baumes. Ähnlich der Heilige Geist, man kann ihn nicht sehen, sieht und spürt aber seine Auswirkungen. Bei Paulus heißt es dazu: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung;“

Neben dem Vergleich mit dem Wind wird der Heilige Geist auch noch in anderen Bildern beschrieben: Taube, Wolke, Feuerzungen. Aber Kranich? Der kommt in dem Zusammenhang zumindest in der Bibel nicht vor. Und doch ist der Kranich für mich zu einem Symbol für den Heiligen Geist geworden. Aber lassen Sie mich von Anfang an erzählen.

Vor kurzem ist unser Sohn Emanuel bei einem tragischen Unglück ums Leben gekommen. Sie haben vielleicht von dem Unfall erfahren. Emanuel heißt „Gott ist bei uns“. Als meine Frau mit ihm schwanger war, sprach ich abends mit Gott, wie man mit Gott spricht und weiß nicht, ob er da ist, ob er hört oder nicht. Da kam mir der Name Emanuel in den Sinn. Ich fragte: „Gott, möchtest du, dass unser Kind Emanuel heißen soll? Diesen Namen kann ich meinem Kind nicht geben. Ich kann nicht sagen, du bist bei uns. Diesen Namen, dieses Versprechen kannst nur du unserem Kind geben.“ Also habe ich zu Gott gesagt: „Wenn du möchtest, dass unser Kind Emanuel heißen soll, bin nicht ich derjenige, der den Namen ausspricht.“ Und ich habe niemanden was von diesem „Gespräch“ mit Gott erzählt. Ungefähr drei Wochen später kam unser Großer nach Hause, er war damals 8 Jahre alt und sagte: „Emanuel wäre ein schöner Name.“ So wurde er schließlich auch getauft.

Dieses „Gott ist bei uns“, diese Zusage Gottes hat uns durch viele schwere Zeiten getragen. Erst Anfang diesen Jahres habe ich mit Emanuel darüber gesprochen: „Emanuel, du hast deinen Namen nicht bekommen, dass du auf einer rosa Wolke schwebst, sondern damit du Kraft hast in schweren Zeiten.“ Seine Antwort: „Papa, ich weiß.“

Nach dem Unglück, Emanuel lag mit einer schweren Kohlenmonoxidvergiftung auf der Intensivstation, seine Überlebenschancen waren gleich Null, da haben wir gebetet und gebetet und auf ein Wunder gehofft - viele Menschen mit uns. Es kam anders: Emanuel verstarb und ich hatte plötzlich Zweifel. Gott, hast du uns jetzt verlassen?

Schon gleich kamen Freunde, Freundinnen von Emanuel besuchten uns, setzten sich in sein Zimmer, erzählten uns vom ihm, so wie sie ihn erleben durften. Und sie brachten selbst gefaltete Kraniche mit. Emanuel hatte dies vorgelebt. Er faltete unzählige Kraniche, verschenkte sie, um anderen Freude zu bereiten, um Kontakt zu knüpfen. Diese Kraniche kamen nun zurück. Bunte Kraniche und mit ihnen Erinnerungen, Geschichten und neues Leben. Am Abend vor Emanuels Beerdigung spürte ich plötzlich: Gott hat uns nicht verlassen. Er ist immer noch bei uns und auch Emanuel ist da. Anders, nicht mehr greifbar, aber tief im Geist. So wurde die Beerdigung ein Fest der Auferstehung, wir durften gemeinsam den Himmel feiern. Ein Geschenk Gottes an uns.

Viele Menschen haben für uns und mit uns gebetet. Das Wunder kam, aber es kam anders als erwartet. Begegnungen, Gespräche, tröstende Worte, Essenspakete vor der Haustür und ein Grab voller Kraniche.

 

Diakon Thomas Volkmuth

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