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Nach mehr als 6 Jahren in unserer Pfarreiengemeinschaft verlässt uns Pater Lawrence und kehrt in seine Heimat nach Indien zurück. Am 21.3. wurde er im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in der Kirche Herschfeld verabschiedet. Wir danken ihm für all die herzlichen Begegnungen und bedauern seinen Weggang sehr. Hier die Predigt, die Pfarrer Thomas Keßler zu diesem Anlass gehalten hat:

5. Fastensonntag B / Abschiedsgottesdienst für P. Lawrence, Herschfeld, 21.3.2021

Lieber Lawrence, liebe Schwestern und Brüder!

Die Entscheidung Deiner Ordensprovinz der Karmeliten in Indien, Dich in Dein Heimatkloster zurück zu berufen hat uns hier in der Pfarreiengemeinschaft, aber auch im Ordinariat, heftig die Stirne runzeln lassen. Wir hätten Dich gerne noch eine Zeit lang bei uns behalten. Die Abschiedsgottesdienste in den einzelnen Gemeinden unserer Pfarreiengemeinschaft und dieser gemeinsame Gottesdienst zeigen Dir, dass wir Dich gerne bei uns gehabt haben und Dir dankbar für Dein Wirken in der Seelsorge sind. Dein Heimgehen nach Indien in Deine Ordensgemeinschaft hat auch Fragen bei uns aufgeworfen. Zunächst kam der Gedanke bei vielen: Wie wird das mit den Gottesdiensten? Gibt es viele Kürzungen? Rückt die amtliche Seelsorge weiter weg, wenn nur ein Priester und ein Diakon verbleiben? Du wirst vielen Gemeindemitgliedern durch Deine freundliche, zugewandte Art fehlen.

Was Du, und was wir alle erleben, hat aber zutiefst mit unserem Glauben zu tun. Wir nennen Abraham den Urvater des Glaubens. Am Anfang traf ihn der Ruf Gottes: „Brich auf“- und durch seine Lebensgeschichte und die ganze heilige Schrift zieht sich wie ein roter Faden die Herausforderung Gottes an Abraham: „Brich auf, vertrau mir, Du sollst ein Segen sein!“ Selbst im so klassischen Begriff der Pfarrei steckt der Ruf zum Aufbruch drin. Wenn wir diesen Begriff „Pfarrei“ sprachlich zurückverfolgen, heißt das: „die neben dem Haus wohnen“, die also bereit sind aufzubrechen und Neues zu wagen auf Gott hin. Heute jedoch verbindet sich oft mit Pfarrei ein Denken von Bewahren und Bestandsicherung des Gewohnten.

Die Frage, wie es nun weitergeht, wenn Du aufbrichst, darf uns aber den Blick nicht dafür verstellen, was Du bist: nämlich ein Ordensmann. Und Ordenschristen dürfen wir nicht in erster Linie als Lückenfüller für die personellen Löcher in unserem Bistum und in der ganzen deutschen Kirche verstehen. Wir dürfen dankbar sein für die Solidarität der katholischen Kirche in Indien und Afrika, die uns jetzt hilft. Sie zeigt uns damit, dass wir als katholische Christen miteinander weltweit verwoben sind und Mission schon längst keine Einbahnstraße mehr von uns in die übrige Welt ist. Im gesamten pastoralen Raum Bad Neustadt sind wir einschließlich des Klinikums nur noch vier Würzburger Diözesanpriester im aktiven Dienst von Wargolshausen bis Burglauer. Das verpflichtet uns aber auch, gegenüber der Weltkirche und ihrer Zentrale deutlich zu machen, dass mit dem Rückgang an Priestern bei uns auch die Sakramente als ein Wesensmerkmal der Kirche weniger gefeiert werden können und sich viele Priester ausgebrannt fühlen. Auf Dauer geht das an unsere katholische Substanz. Da gehören dann aber auch die Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Dienst in die offene Diskussion - und das nicht nur in Leserbriefen, sondern auch in der Kirchenleitung.

Lieber Lawrence, Du gehörst zum Orden der Karmeliten, der die Nachfolge Jesu in Gemeinschaft leben will. Mit Eurer Spiritualität seid Ihr aber auch wichtig für uns in den Gemeinden. Durch Euer Dasein in den Klöstern von Rödelmaier und Himmelspforten oder im Kloster in der Würzburger Innenstadt gebt ihr ein stilles Zeugnis von Gott, der mitten unter uns ist.

 Eine der prägenden biblischen Gestalten für Euren Orden ist der Prophet Elija. Er musste lernen, dass Gott kein lärmender, kriegerischer Gott oder eine Naturgottheit ist, sondern in der Stille die Herzen der Menschen mit seiner Barmherzigkeit berührt. „Gott lebt, ich stehe vor seinem Angesicht“, heißt der Leitspruch des Karmelitenordens und greift damit ein Wort des biblischen Elija auf. Dieses Wort hat Aktualität über Deinen Orden hinaus. Bei allem Ringen in der Kirche über ihre zukünftige Gestalt, bei allen Überlegungen, wie christliches Leben heute gestaltet werden kann, dürfen wir das nicht vergessen: „Gott lebt, ich stehe vor seinem Angesicht“. Und dieser Gott schaut uns an in Jesus von Nazareth. Teresa von Avila, neben Johannes vom Kreuz Gründerin Deines Ordens, schreibt, dass ihr Beten davon getragen ist, „den anzuschauen, der mich anschaut“. Die Karmeliten fassen das prägnant in den Worten zusammen: „Schau, er schaut dich an!“.

Damit wird uns allen gesagt, was in unserem christlichen Sinn zu glauben bedeutet. Der Karmelitenpater Reinhard Körner drückt es so aus: „Glauben meint: mir innerlich bewusst machen, dass Gott da ist – verborgen natürlich – und ihn anschauen; nicht nur, um dann mit ihm zu reden, sondern zuallererst, um wahrzunehmen, dass er mich anschaut mit unsagbar liebevollem Blick“. Und Gott schaut auch jeden anderen Menschen an, auch den, der mir ganz und gar nicht sympathisch ist, ja selbst, mit Johannes vom Kreuz gesprochen, den größten Sünder der Welt. Wenn Gott uns alle in Liebe anschaut, dürfen wir dann den Menschen, die darum bitten, den Segen verweigern?

 Liebe Schwestern und Brüder, das macht letztlich unser christliches Verständnis zu glauben und unsere Art, Mensch zu sein, aus. Aber die heilige Teresa fragt auch uns an, wenn sie klagt: „Ach Herr, der ganze Schaden für uns kommt doch daher, dass wir unsere Augen nicht auf dich gerichtet halten“. Vielleicht ist das unser Problem, dass wir uns mehr innerkirchlich beschäftigen und dabei die Frage nach Gott und seine Anwesenheit vergessen.

 Lieber Lawrence, in Deinem seelsorglichen Wirken bei uns hast Du mitgeholfen, dass wir nicht vergessen, dass Gott uns anschaut und wir ihn anschauen dürfen im Leben seines Sohnes Jesus Christus. Der heutige Abschnitt aus dem Johannesevangelium gibt für Dich und für uns an den verschiedenen Orten, wo wir unser Christsein leben, Orientierung - ob Du bald wieder im Kloster oder wir als Christinnen und Christen in den Gemeinden: Unseren Weg mit Jesus zu gehen, sich dabei nicht selbst in den Mittelpunkt zu stellen, ja sogar seine eigenen Pläne hintan zu stellen und so Jesus nachzufolgen. Wir können es wagen, weil Gott uns voll Liebe anschaut.

Lieber Lawrence, in unser aller Namen wünsche ich Dir auf Deinem weiteren Weg mit Deiner Ordensgemeinschaft Gottes liebenden Blick und seinen Segen. Amen.

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Pater Lawrence bedankt sich

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