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Ein Frühaufsteher und Kenner der Rhön

Rödelmaier (hf). „Das ist mein Lieblingsplatz, wenn ich meinen rund einstündigen Spaziergang mache“, sagt Prälat Bernold Rauch und zeigte auf die weite Landschaft der Rhön. Bis ins Thüringer Land, die Hohe Geba, den Stirnberg und Kreuzberg, aber auch zu den Gleichbergen im Grabfeld schweift sein Blick. Man merkt es ihm an, dass er sich in der Rhön, seit 1997 seiner zweiten Heimat, wohl fühlt. Wohl auch deshalb sieht man dem fitten Ruheständler sein hohes Alter nicht an. Bernold Rauch ist ein Frühaufsteher, und feiert als Hausgeistlicher im Karmelitinnenkloster Rödelmaier die  heilige Messe. Außerdem steht er als Ruhestandspfarrer in der Pfarreiengemeinschaft „Sankt Martin Brend, Brendlorenzen“ und Rödelmaier, sowie an den Wochenenden von Wollbach über Heustreu bis Wargolshausen am Altar. „Wenn man mich irgendwo braucht, komme ich gerne.“

Dass sich der Geistliche natürlich entsprechend vorbereitet ist für ihn selbstverständlich. Etwas das Zeit kostet, die ihm aber wichtig ist. Angesprochen auf die aktuelle Situation der katholischen Kirche sagt Bernold Rauch: „Unsere Kirche ist besser als ihr Ruf, nur zählen halt leider heute die Negativschlagzeilen.“ Das zeigt sich für ihn immer wieder in den einzelnen Gemeinden, wo er den engagierten Einsatz vieler Ehrenamtlicher lobend herausstellt. Sie seien es, die die Kirche tragen. Prälat Bernold Rauch selbst ist als sehr „leutselig“ bekannt und ist ein angenehm er Gesprächspartner, der damit die Kontakte zu den Menschen vor Ort pflegt. Seine Wohnung hat er in Rödelmaier, von wo aus er es nicht weit hat in die Felder und Fluren, um dort zu Entspannen und die Schönheiten der Rhön zu genießen. Am „Fleck“ wie der Flurname am Aussichtspunkt unter einem Kreuz besagt, kommt er zur Ruhe und genießt den Blick in die Weiten der Rhön.

Doch nicht nur Wandern ist eines seiner Hobbies, auch das Schafkopf-Spielen gehört dazu. Mit verschiedenen Freunden trifft er sich zur geselligen Kartenrunde. „auch wenn einige schon nicht mehr unter uns sind und ersetzt werden mussten“, fügt er hinzu. Prälat Bernold Rauch wurde am 5. Juli 1942 in Neuendorf-Nantenbach bei Lohr am Main geboren. Seine Eltern Edmund und Margareta Rauch, eine religiös geprägte Familie, hatten einen kleinen Bauernhof. Der junge Bernold musste zu Hause mit anpacken, war in der Ortskirche Ministrant, besuchte später das humanistische Alte Gymnasium in Würzburg. Im dortigen Kilianeum war er in dieser Zeit und da kam bei Bernold Rauch der Wunsch auf, Priester zu werden.

Im Herbst 1961 begann er das sechsjährige Theologiestudium an der Würzburger Universität, war zwei Semester in München und wurde 1966 Diakon. Der Würzburger Bischof Dr. Josef Stangl weihte ihn am 29. Juni 1967 mit 13 anderen Weihekandidaten zum Priester. „Es war damals die erste Priesterweihe im wieder aufgebauten Kiliansdom in Würzburg“, erinnert sich Bernold Rauch. Anschließend wirkte er als Kooperator in Werneck, war bis 1969 Kaplan in Goldbach-Sankt Nikolaus, dann in Rottendorf, Bad Brückenau und  wurde 1973 schließlich Pfarrer von Euerbach und Obbach, später auch von Kützberg und Sömmersdorf.1975 kam das Amt des stellvertretenden Dekans des Dekanats Schweinfurt-Nord hinzu und  von 1977 bis 1997 war er Dekan. Als Seelsorger von Sömmersdorf war Bernold Rauch Präses der Fränkischen Passionsspiele und damit geistlicher Begleiter der Passionsspielgemeinschaft. 1997 kam Bernold Rauch als Pfarrer der Pfarrei Mariä Himmelfahrt nach Bad  Neustadt. Hinzu kamen später St. Konrad (Gartenstadt) sowie zeitweise Schmalwasser, Sandberg, Heustreu und Wollbach.

Von 1998 bis zur Fusion der Dekanate Bad Neustadt und Rhön-Grabfeld im Jahr 2011 war er Dekan des Dekanats Bad Neustadt. Gerne erinnert er sich an das gute ökumenische Miteinander mit den Dekanen Siegfried Henkel und Dr. Gerhard Hausmann der evangelischen Kirchengemeinde. Bernold Rauch war 34 Jahre lang in der Dekanekonferenz und eine Reihe von Jahren im Diözesan-Pastoralrat und im Priesterrat. Für all dieses Engagement wurde ihm im Jahr 2000 der Titel eines Päpstlichen Ehrenprälaten verliehen. Seit dem 1. Oktober 2012 ist Bernold Rauch im „Unruhestand.“ Nach wie vor pflegt er vor allem die Freundschaften aus früheren Tagen. Ein Blick in die Zukunft? Prälat Bernold Rauch muss nicht lange nachdenken: „Weiter machen, gesund bleiben, solange mir der Herrgott die Kraft dazu gibt.“

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In Rödelmaier feiert Prälat Bernold Rauch am heutigen Dienstag, seinen 80. Geburtstag. Sein Lieblingsplatz ist dieser Bereich am Aussichtspunkt „Fleck“. Von hier aus hat der Jubilar einen weiten Blick auf die Rhön, das Thüringer Land bis hin zu den Gleichbergen und ins Grabfeld. Foto: Hanns Friedrich

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